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Leseprobe Rubrik: Unternehmen & Netzwerke

Wenn der Ritter sein Schwert senkt

Meist reinweiß und äußerst unauffällig treten sie in Erscheinung und doch sind sie bei nahezu jeder medizinischen Behandlung im Einsatz – die großen und kleinen Medizinprodukte der Kerma Verbandstoff GmbH.

Rund 220 Artikel, darunter Kompressen, Tupfer, Verbandmullstreifen oder auch Krankenunterlagen produzieren die Hainichener und erschließen zunehmend neue Vertriebszweige: Wer hätte 1886 bei der Gründung der Firma daran gedacht, dass die hergestellten Zellstoffunterlagen einmal bei einer Schokoladenmassage im Schönheitssalon zum Einsatz kommen. „Mein Ururgroßvater sicherlich nicht. Aber wir stehen seit Anfang an im Dienste der Medizin und versorgen Apotheken, Fachhändler, Krankenhäuser und Pharmagroßhändler. Über die Jahrzehnte hinweg mussten wir uns immer den Marktgegebenheiten und Nachfragen anpassen, Neues wagen oder Altes abstoßen, sonst wären wir nicht mehr am Markt erfolgreich“, erklärt die Geschäftsführerin und Ururenkelin des Firmengründers, Ulrike Kermes.

Vergangenheit wertschätzen
In einem großen Backsteingebäude, das mit seinen dicken Mauern Beständigkeit und Gelassenheit ausstrahlt, werden die Produkte des Familienbetriebes in fünfter Generation oft noch per Hand hergestellt. Die großzügig gestalteten Büroräume vermitteln Besuchern einen guten Einblick in die ereignisreiche Geschichte des Unternehmens. Alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Produktion, Zertifikate und Urkunden schmücken die Wände. Bereits verblichene Verpackungen und nicht mehr hergestellte Produkte, wie Glasspritzen, stehen liebevoll drapiert in den Vitrinen und zeigen die Verbundenheit und Wertschätzung gegenüber der Vergangenheit. „Ich arbeite seit 2004 im Unternehmen und habe alles mitbekommen, das Andenken an unsere Vorfahren, das zeitaufwändige Engagement meiner Eltern, die Verantwortung für die Mitarbeiter und Kunden und nicht zuletzt das Ringen um den nächsten Auftrag. Ich führe das Unternehmen im Sinne meiner Familie weiter“, erklärt Ulrike Kermes, die am 1.1.2012 in die Fußstapfen ihres Vaters trat und die Geschäftsführung übernahm.
Alles begann in den 1860er-Jahren, als sich der Wirtschaftszweig der Verbandstoffe völlig neu entwickelte. Friedrich Max Kermes gründete am 4. April 1886 unter eigenem Namen einen Vertrieb von Flanell- und anderen Binden sowie Verbandstoffen. Nur sechs Jahre danach verstarb er und so musste seine Frau Marie Kermes die Zügel in die Hand nehmen. Zusammen mit ihrem ältesten Sohn Alfred baute sie die Firma weiter auf. Auch ihr zweiter Sohn Georg trat in das Familienunternehmen ein. „Mein Ururgroßvater begann in den Wohnräumen in der Talstraße sein Geschäft. 1911 wurden diese dann trotz Umbauten zu klein und so zog die Firma 1913 in das heutige Gebäude. Seitdem sind wir hier in der Ziegelstraße“, blickt sich Ulrike Kermes nicht ohne Stolz um. Große Räume, mehr Tageslicht, neueste Technik und ein Fahrstuhl sorgten für große Stückzahlen in der Produktion. Sogar eine Hausdruckerei für Etiketten und Prospekte wurde eingerichtet. „In Hochzeiten arbeiteten bei uns rund 200 Beschäftigte, meist Frauen“, erklärt die Geschäftsführerin. „Einige Maschinen stammen noch aus dieser Zeit und auch die Druckmaschinen von 1913 werden wir als Erinnerung und eine Art kleines Museum behalten.“ Denn von den damals rund 25 Gründerfirmen der Branche existieren heute nur noch wenige, die erfolgreich am Markt agieren. (Auszug)

Christiane Schwarzbach

Foto: Kerma
www.kerma.de

Leseprobe Rubrik: Standortmarketing: Spezial Leipzig

Eine Kiste Inspiration

Zwei junge Firma bieten mit ihren Geschäftsmodellen Alternativen zu Altbewährtem

Omas altbewährte Hausmittel wie Essig, Natron oder Zitronensäure haben die Designerin Jeanette Schmidt und Mitgründerin Henriette Grewling in eine clevere und vor allem nachhaltige Start-up-Idee verwandelt. Ihr Anfang 2016 entwickelter Sauberkasten enthält alles Notwendige, um zehn verschiedene, wirksame Reiniger und Waschzusätze für den gesamten Haushalt selbst herzustellen. Allesamt sind vegan und noch dazu gesundheits- und umweltfreundlicher als handelsübliche Produkte. Etiketten für die Beschriftung von Scheuerpaste, Spülmaschinenpulver, WC-Reiniger und Co. sowie praktische Messutensilien gibt es dazu. Zum Abfüllen der fertigen Putzmittel können die Anwender leere Schraubgläser oder Flaschen benutzen, die sowieso im Haushalt anfallen. So erhalten sie ein zweites Leben und landen nicht im Müll. Das Konzept des Sauberkastens überzeugte auch das Social Impact Lab Leipzig, das Jeanette Schmidt und ihrem kleinen Team ein Gründerstipendium verlieh. Im August 2017 wurde über eine Crowdfunding-Kampagne eine erste Produktion von über 700 Sauberkästen ermöglicht. Nun kann man den Sauberkasten auch im eigenen Online-Shop erwerben.
www.sauberkasten.com

Pflanzlich und vollwertig
Rosa und Johann Koppelmann wagten ebenfalls 2016 das Abenteuer Selbständigkeit. Das junge Ehepaar, Ernährungsberaterin und Betriebswirt, erfüllte sich mit der Whole Food Box den Traum, Menschen von einer vollwertigen pflanzlichen Ernährung zu begeistern. Vom Firmenlager in der alten Pianofabrik in Leipzig-Leutzsch beschicken sie ihre Kunden jeden Monat mit Überraschungskisten. Darin finden sich acht bis zehn wechselnde Produkte, die alle frei von tierischen Bestandteilen sind, frei von raffiniertem Zucker, weißem Mehl und Zusatzstoffen. „Unser Ziel ist es, jeden Monat eine neue Inspirationsquelle für einen gesunden Lebensstil zu liefern. Dabei möchten wir auch motivieren, kreativer zu werden, neue Dinge zu probieren und vielleicht sogar dauerhaft das ein oder andere nährstoffarme Lieblingsprodukt gegen eine nährstoffreichere Alternative aus unserer Box zu tauschen“, erzählt Rosa Koppelmann.
www.wholefoodbox.de

Foto: Whole Food Box GbR




Leseprobe Rubrik: Standortmarketing

Olympiahelden treffen Hidden Champions

Die Botschafter des Erzgebirges verlegten ihr jährliches Treffen an den Fichtelberg und bewiesen beim Sommerbiathlon Durchhaltevermögen und Teamgeist – ein Netzwerkevent der besonderen Art.

Allein fünf Olympiamedaillen brachten 2018 Vertreter aus dem Erzgebirge aus Südkorea nach Hause. Eine Auswertung des Online-Portals sportwettenvergleich.net förderte zutage, dass der Erzgebirgskreis deutschlandweit seit Beginn der Olympischen Winterspiele die Heimat der erfolgreichsten Olympioniken ist. Aber was hat das Ganze mit Wirtschaft zu tun? In anderen Sportarten mit geringerer Erfolgsquote ist es selbstverständlich, dass Sportler mit Millionenbeträgen unterstützt werden – im Wintersport kann man davon nur träumen.

Spitzensport ist dankbar für Unterstützung aus der Wirtschaft
Diesem Manko ein Stück entgegenzutreten, war einer der Gründe, die am 22. Juni 2018 knapp 100 Vertreter aus Sport und Wirtschaft in der Sparkassen-Skiarena am Fichtelberg zusammenbrachten. In gemeinsamer Organisation von Regionalmanagement Erzgebirge, dem Förderkreis Olympiastützpunkt Außenstelle Kurort Oberwiesenthal e. V. und dem WSC Erzgebirge Oberwiesenthal e. V. gelang das Experiment: ein Treffen der Botschafter des Erzgebirges und zugleich Sommerbiathlon als Firmenevent.
Seit 2010 werben über 100 Botschafter als Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Kultur, Sport und Politik für das Erzgebirge. Die jährlichen Botschaftertreffen mit Raum zum Netzwerken entwickelten sich über die Jahre zu einer festen Instanz. Bislang dienten Firmenstandorte und die damit verbundenen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten als wechselnde Kulisse der Veranstaltung. Im Olympiajahr nun konnten Botschafter-Unternehmen mit einem ganzen Team aktiv werden. Bei Bedarf unterstützte ein Nachwuchssportler des Bundesstützpunktes das Unternehmensteam und hatte damit direkten Kontakt zu potenziellen Sponsoren.

Motivierte Mitarbeiter erkennt man nicht im Sonnenschein
Der Staffelwettbewerb umfasste pro Team eine Laufstrecke von 4 x 1,5 Kilometern und zwei Schießübungen je Läufer. Im Beisein erfolgreicher Wintersportler wie Eric Frenzel und Anke Wischnewski, beide sind seit 2010 Botschafter des Erzgebirges, stellten die Unternehmen ihr sportliches Können unter Beweis. Die Temperaturen in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands erinnerten daran, dass Biathlon eine Wintersportart ist. Nieselregen und Kälte zum Trotz zeugte die gute Stimmung unter den Teilnehmern davon, dass man keinen Sonnenschein braucht, um gute Leistungen zu zeigen und im Team Spaß zu haben. Denn Teambuilding war ein weiterer wichtiger Grund für die Organisation der Veranstaltung.
Der deutschlandweite Engpass an qualifizierten Fachkräften trifft das Erzgebirge mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in Sachsen besonders stark. Die boomende Wirtschaft der Region investiert daher nicht nur in neue Technik und Technologien, sondern auch in ihre Mitarbeiter. Ein Baustein für ein gesundes Betriebsklima sind gemeinsame Aktivitäten in der Belegschaft, denn im sportlichen Wettkampf zählen Strategie, Leistungsvermögen und Teamgeist – Eigenschaften, die auch Unternehmen zum Erfolg benötigen.

Versteckte Talente aus dem Erzgebirge
Das Siegerteam des ersten Erzgebirgs-Biathlon-Firmencups 2018 ist hoch motiviert und international aufgestellt. Die Vertreter der Norafin Industries (Germany) GmbH holten sich einen Nachwuchsathleten des Stützpunktes ins Team. Dass einer der Sportler nicht nur Chef der R&D-Abteilung im Unternehmen ist, sondern auch mit seiner Familie aus Frankreich ins Erzgebirge zuwanderte, ist ein schöner Zufall mit großer Symbolik. Das auf technische Textilien spezialisierte Unternehmen mit 180 Mitarbeitern eröffnete erst in diesem Jahr eine Produktionsstätte in den USA, ist vielfacher Preisträger und mit seinem Geschäftsführer André Lang seit zwei Jahren im Wirtschaftsbeirat Erzgebirge aktiv. Den zweiten Platz erkämpfte sich das Team des Landratsamtes, gefolgt von der Bretschneider Verpackungen GmbH aus Eibenstock. Das familiengeführte Unternehmen mit fast 200-jähriger Tradition ist einer der führenden Anbieter von kundenspezifischen Verpackungslösungen mit modernstem Design in Europa. Geschäftsführerin Ulrike Seidel hat in ihren Groß- und Urgroßvätern als Gründer des Eishockeyvereins „Schönheider
Wölfe“ und Stifter der Bretschneider Sportstätte in Eibenstock gute Vorbilder, die sie selbst durch Unterstützung von Sportvereinen und weiteren gesellschaftlichen Engagements fortführt.
Der gute Start des Events spricht für eine Fortsetzung dieser Symbiose aus Wirtschaft, Sport und Teamevent – ob als winterliches Sommeroder echtes Winterevent bleibt abzuwarten.

Kontakt
Regionalmanagement Erzgebirge
Dr. Peggy Kreller
Adam-Ries-Straße 16
09456 Annaberg-Buchholz
Tel. 03733 145-140
kontakt@erzgebirge-gedachtgemacht.de
www.erzgebirge-gedachtgemacht.de

Foto: mushroom productions/Regionalmanagement Erzgebirge

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