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Leseprobe Rubrik: Wirtschaft im Kanton Thurgau

Schweizer Stärken

Der Kanton Thurgau ist in jüngster Zeit bei der Ansiedelung neuer Unternehmen eine erste Adresse in der Schweiz. Im Thurgau kommt man einfach schneller zum Ziel als anderswo. Hier werden Visionen Realität.

Der Kanton Thurgau ist in jüngster Zeit bei der Ansiedelung neuer Unternehmen eine erste Adresse in der Schweiz. Zahlreiche neue Unternehmen siedeln sich jedes Jahr in unserem attraktiven Kanton an. Massgeblich sind die hervorragenden Rahmenbedingungen mit tiefen Steuern und besten Verbindungen. Im Thurgau kommt man einfach schneller zum Ziel als anderswo. Hier werden Visionen Realität.

Vom Agrar- zum Industriekanton: Die Wirtschaftsgeschichte des Thurgaus ist vom Wandel geprägt. Nachdem das einstige Hinterland der Bischofsstadt Konstanz im späten Mittelalter zur Eidgenossenschaft kam, war eine agrarische, ländliche Gesellschaft vorherrschend. Die entstandene Grenze trennte zwar einerseits, motivierte andererseits aber auch dazu, sie durch besondere Offenheit, Innovation und Fortschrittsglauben zu überwinden. Diese Eigenschaften haben sich bei den Thurgauern bis heute erhalten. Zahlreiche Pioniere liessen sich im Zeitalter der Industrialisierung hier nieder und machten den Kanton zu einem der am dichtest industrialisierten Kantonen der Schweiz. Im Zentrum standen die Maschinenindustrie, Textilindustrie und die Verarbeitung von Produkten der Landwirtschaft.

Der Thurgau hat in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen, die in jüngster Zeit auf der Umsetzung von konkreten Zielen eines Wirtschaftsentwicklungskonzeptes der Regierung beruht: tiefe Steuern, ausgezeichnete Verkehrswege und eine qualitativ herausragende Bildungslandschaft.

Heute präsentiert sich der Thurgau als typischer Standort für Klein- und Mittlere Unternehmen (KMU). 88 % der Unternehmen haben weniger als zehn Beschäftigte. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von grösseren, insbesondere exportorientierten Firmen, welche die Thurgauer Innovationskraft und Qualität in die ganze Welt hinaus tragen. Einige davon werden in diesem Magazin an anderer Stelle präsentiert.

Dynamik und Wachstum
Auch heute ist der Thurgau immer noch überdurchschnittlich industrialisiert. Über 35 % der Beschäftigten sind im 2. Sektor tätig. Demgegenüber ist der erste Sektor stetig am Abnehmen und macht heute ca. 9 % aller Beschäftigten aus. Die Dienstleistungen sind in den letzten Jahren stark gewachsen und haben zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen. Aber auch Bauwirtschaft und Gesundheitswesen stellen bedeutende Branchen dar. Zwischen 2001 und 2005 hat der Thurgau mit 2,7 % (CH: 0,7 %) ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum erzielt. Der Ausbau oder die erfolgreiche Ansiedlung von wertschöpfungsintensiven Branchen mit Wachstumspotenzial aus der Kunststoff-, der Maschinen- sowie der Fahrzeug- und Elektroindustrie sprechen eine deutliche Sprache. In den Branchen Informatik/Dienstleistungen für Unternehmen und Unterrichtswesen/Forschung hat der Kanton in den letzten Jahren überdurchschnittlich dazu gewonnen. Im Thurgau entstehen zu den etwa 15’000 vorhandenen Arbeitsstätten jährlich im Schnitt über 300 neue Unternehmen.

Arbeitskräfte als Potenzial
Obwohl der Kanton in den letzten Jahrzehnten einen wesentlichen Strukturwandel durchgemacht hat, blieb die Beschäftigung immer über dem schweizerischen Durchschnitt und die Arbeitslosigkeit somit stets unterdurchschnittlich. Mit der aktuellen Arbeitslosenquote von 2,4 % ist sie um rund einen Prozent tiefer als in der Gesamtschweiz.

Aus der Wirtschaftsgeschichte ist der Grund für das ausgezeichnete Arbeitskräftepotenzial des Kantons ersichtlich. Gut ausgebildete Facharbeiter aus einer breit gefächerten beruflichen Bildung bis zu den zahlreichen Absolventinnen und Absolventen der umliegenden Fachhochschulen und Universitäten bilden für die Unternehmen eine gute Rekrutierungsbasis.

Gesunde Staatsfinanzen - tiefe Steuern
In den letzten Jahren hat das Parlament und die Thurgauer Regierung grosse Anstrengungen unternommen, um den Kanton zu einem der steuerlich attraktivsten der Schweiz zu machen. In zahlreichen Revisionen der Steuergesetzgebung wurde dieses Ziel erreicht. Bestehende und neue Unternehmen erfreuen sich seither dieser tiefen Abgaben und haben Potenzial zum Investieren und zum Ausbauen.

Zu beachten gilt hier ebenfalls, dass der Thurgau nicht nur steuergünstig ist, sondern auch eine der effizientesten und kostengünstigsten Verwaltungsstrukturen der Schweiz aufweist.

Der Thurgau als Tor der Schweiz nach Europa
Einen weiteren wichtigen Faktor für die prosperierende Wirtschaft im Thurgau ist die enge Verbindung nach Deutschland und damit zur EU. Mit der städtischen Brücke Kreuzlingen/Konstanz besteht verkehrstechnisch, infrastrukturell, touristisch, bildungsmässig und generell gesellschaftlich eine starke und intensive Verbindungsstelle zu den Nachbarn in Baden-Württemberg. Ein reger Grenzverkehr und der stattliche Austausch von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften zeugen von den engen Beziehungen im Bodenseeraum über den Kanton Thurgau. 2’500, zumeist gut ausgebildete Pendler kommen in den Thurgau zur Arbeit und stärken das Wachstum der Region. Viele exportorientierte Firmen sowie zahlreiche Logistik- und Transportunternehmen haben sich im Raum Kreuzlingen – Konstanz niedergelassen.

Mit der zunehmenden Verflechtung und den sich öffnenden Grenzen hat der Thurgau eine hervorragende Ausgangslage seine wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Ziele zu erreichen.

Edgar Georg Sidamgrotzki
Amt für Wirtschaft und Arbeit

Leseprobe Rubrik: Standort der Finanzdienstleister

Bankenplatz Thurgau

Der Kanton Thurgau, Teil der „Euregio Bodensee“ kann auch „Tor der Schweiz“ von und zur Europäischen Union genannt werden.

Der Kanton Thurgau, Teil der „Euregio Bodensee“ kann auch „Tor der Schweiz“ von und zur Europäischen Union genannt werden. Der Thurgau ist prädestiniert zur Ansiedlung von Unternehmen aus dem EU-Raum und von Schweizer Firmen, die im EU-Raum aktiv sind oder werden wollen.

Die Thurgauer Kantonalbank, 1871 gegründet, zählt über 700 Mitarbeitende und weist eine Bilanzsumme von knapp 15 Milliarden Franken aus. Den gesetzlich verankerten Leistungsauftrag zugunsten einer starken Wirtschaft nimmt die Staatsbank verantwortungsvoll wahr, was die starke Verankerung im Markt beweist: Sieben von zehn Thurgauer KMU pflegen eine Geschäftsbeziehung mit der Bank. Die ISO-zertifizierte Universalbank offeriert umfassende Leistungen für Private, Klein- und Mittelunternehmen (KMU) und die öffentliche Hand; rund 180'000 Kundinnen und Kunden schenken der Bank ihr Vertrauen. Neben 30 Niederlassungen und Zweigstellen im ganzen Kanton stehen Kundinnen und Kunden für die Abwicklung von Bankgeschäften über 70 Bancomaten, verschiedene elektronische Kanäle und das Contact Center zur Verfügung. Die Kantonalbank zählt zu den grössten Arbeitgebern im Thurgau und bildet über 60 Lernende aus.

Erster Kontakt zum Standort
Der, vor allem für das Nachbarland Deutschland wichtigste Bankenplatz im Thurgau ist Kreuzlingen, die Grenzstadt zu Konstanz. Selbstverständlich bieten die Schweizer Banken auch in anderen Städten des Thurgau ihre vielfältigen Finanzdienstleistungen an, doch Kreuzlingen, der „ersten Stadt der Schweiz“ kommt auf Grund der grenznahen Lage eine besondere Bedeutung zu. Angesichts von fünf Banken auf engstem Raum an der Kreuzlinger Hauptstrasse, darf sicher vom „Bankenplatz Kreuzlingen" gesprochen werden. UBS, Credit Suisse, Thurgauer Kantonalbank, Migrosbank und Raiffeisenbank sind in Kreuzlingen präsent. Die Kreuzlinger Banken messen sich in der Qualität ihrer Dienstleistungen an den grossen nationalen Standorten wie Zürich, Basel, Genf oder Lugano.

Die Bedeutung des Bankenplatzes Kreuzlingen für den Wirtschaftsstandort Thurgau ist gross. Ein gutes Angebot an Bankdienstleistungen ist ein entscheidender Faktor bei der Ansiedlung von Unternehmen oder Privatpersonen im Thurgau, kommen doch viele Erstkontakte bei Ansiedlungsinteressenten im In- und Ausland über den Bankberater zustande. Von regelmässigen Besuchen der internationalen Kundschaft im Thurgau profitieren auch andere Wirtschaftsbereiche wie Gastronomie, Bijouterien, Factory-Outlets oder Detaillisten.

Klare Regeln
Es ist für einen internationalen Bankenplatz selbstverständlich, dass sich die Kundenberater in den Vorschriften des Domizillandes ihrer Kunden auskennen, im konkreten Fall mit den deutschen Regelungen und Vorgaben vertraut sind. Um in Deutschland gewerbsmässig Bankgeschäfte zu betreiben oder Finanzdienstleistungen zu erbringen, bedarf es zum Beispiel einer schriftlichen Erlaubnis (Lizenz) durch die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin. Allerdings besteht für ausländische Institute die Möglichkeit, sich für bestimmte Geschäftsbereiche von der Lizenzpflicht freistellen zu lassen. Diese Möglichkeit wurde unter anderem bereits von der UBS und der Credit Suisse wahrgenommen, d.h. es dürfen unter bestimmten, klar vorgegebenen Voraussetzungen und Auflagen grenzüberschreitende Bankdienstleistungen in Deutschland erbracht werden.

Gesellschaftliches Engagement
Die Thurgauer Banken engagieren sich auch über ihre Kerntätigkeit hinaus im gesellschaftlichen und kulturellen Leben des Kantons. Als grösste Sponsorin im Kanton unterstützt die Thurgauer Kantonalbank unter anderem seit vielen Jahren die Nachwuchsförderung in den Bereichen Sport und Kultur, fördert gezielt den Breitensport und engagiert sich bei kantonalen und regionalen Anlässen. Zudem tritt die Bank selber als Veranstalterin vielbeachteter Anlässe auf. Mit dem Thurgauer Apfel, dem Thurgauer Tourismuspreis und den Innovationspreisen des Technologiezentrums Konstanz unterstützt die TKB bedeutende Auszeichnungen für die Wirtschaft. Ferner finanziert sie den TKB-Lehrstuhl für angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Konstanz und unterstützt das Gründungszentrum START. Als Mäzenin trägt die TKB zur Realisation zahlreicher Veranstaltungen und Projekte im kulturellen und sozialen Bereich bei und setzt bei der Beschaffung von Kunst auf Künstlerinnen und Künstler der Region.

Die Credit Suisse wiederum bietet zum Beispiel ein Stipendiat für die International School Kreuzlingen-Konstanz, engagiert sich beim Stadttheater Konstanz und bei der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Last but not least verweist der Kreuzlinger CS-Niederlassungsleiter Daniel Geisselhardt auch auf das von der Credit Suisse unterstützte Berliner Kulturstipendium der Thurgauer Wirtschaft und auf die finanzielle Unterstützung bei der Restaurierung der Parkanlagen von Schloss Arenenberg.

Auch andere Thurgauer Banken sind vielfältig präsent: Die über 120 Mitarbeiter der UBS AG im Thurgau engagieren sich umfangreich in verschiedenen kulturellen, sportlichen, politischen und wirtschaftlichen Institutionen. UBS ist u.a. Hauptsponsor beim Wirtschaftsforum Thurgau in Weinfelden, beim so genannten Sprungbrett-Event, der Thurgauer Unternehmen und Studierende aus dem Thurgau in einem innovativen Rahmen zusammenbringt, sowie beim Memorial Bergrennen in Steckborn.

Speziell hervorzuheben ist das UBS Forum, welches in der Region von Kreuzlingen/Konstanz Impulse zu setzen vermochte. Des Forums Ziel ist die Verbesserung der Gesprächskultur. Über alle politischen und sozialen Grenzen hinweg konnten so Themen von allgemeinem Interesse diskutiert und umgesetzt werden. Als Beispiel seien die Stadtentwicklung und das Leitbild von Kreuzlingen genannt. Auch die Raiffeisenbank ist vielfach als grosszügiger Sponsor im gesellschaftlichen Bereich des Kantons aufgetreten.

Thomas Willauer

Leseprobe Rubrik: Mobilität

Optimal vernetzt

Der Kanton Thurgau ist durch ein dichtes und leistungsfähiges Strassen- und Schienennetz erschlossen und mit den umliegenden Wirtschaftsräumen optimal vernetzt. Man kommt vorwärts im Thurgau.

Der Kanton Thurgau ist durch ein dichtes und leistungsfähiges Strassen- und Schienennetz erschlossen und mit den umliegenden Wirtschaftsräumen und dem Flughafen Zürich Kloten optimal vernetzt. Die Verkehrsprobleme der Grossagglomerationen kennt der Thurgau nicht. So gehören Staus auf den Strassen und Parkplatzsorgen in den Zentren zu den Ausnahmeerscheinungen. Man kommt vorwärts im Thurgau.

Der öffentliche Verkehr bedient den ganzen Kanton in einer hohen Qualität. Kanton und Gemeinden haben in den letzten zehn Jahren zusammen mit den Transportunternehmen das Angebot bei Bahn und Bus massiv ausgebaut. Damit konnte der Thurgau seine Standortattraktivität sichtbar steigern. Die Leistungen der Bahn- und Busunternehmen stieg zwischen 1996 und 2006 um über 60 Prozent auf 12 Millionen Fahrplankilometer. In der gleichen Zeitspanne erhöhte sich die Zahl der Reisenden um 36 Prozent auf über 26 Millionen, Tendenz steigend. Weitere Verbesserungen sind geplant, da der öffentliche Verkehr bei Standortentscheiden von Unternehmen und Privathaushalten noch wichtiger werden wird.

Heute bietet ein dichtes Bahn- und Busnetz von 700 Kilometern Länge und mit gegen 900 Haltestellen eine umweltgerechte Mobilität quasi vor der Haustür. Die modernen und grösstenteils klimatisierten Regionalzüge verkehren auf den meisten Bahnlinien im 30-Minuten- Takt. Auf den übrigen Bahn- und Buslinien wird ein Stundentakt mit Verdichtungen in den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend zum Halbstundentakt angeboten. Eine ganz besondere Rolle nimmt die Reise- und Autofähre Friedrichshafen – Romanshorn ein, welche im Stundentakt über den See verkehrt. Sie mildert die Barrierewirkung des Bodensees, bringt die Wirtschaftsgebiete diesseits und jenseits des Sees zusammen, verbindet das schweizerische und deutsche Eisenbahnnetz und bietet eine echte Alternative zu den Umwegsfahrten um den See.

Die Verbindungen in die ausserkantonalen Wirtschaftsräume und Zentren Zürich, St. Gallen und Konstanz sowie zum Flughafen Zürich Kloten sind in hervorragender Weise auf Schiene und Strasse (A1 und A7) sichergestellt. Dabei nehmen die stündlichen Schnellzugsverbindungen IC Romanshorn-Weinfelden-Zürich-Bern und ICN Konstanz-Kreuzlingen-Weinfelden-Zürich-Biel eine überragende Stellung ein. Die beiden Schnellzüge sind so aufeinander abgestimmt, dass sie zwischen Weinfelden und Zürich (Reisezeit 50 Minuten) im 30-Minuten-Takt verkehren mit Halt in Frauenfeld, Winterthur und Zürich Flughafen. Dank guten Anschlüssen der Regionalzüge und Regionalbusse sowie der Stadtbusverkehre in Frauenfeld und Kreuzlingen ist sicher gestellt, dass zwei Drittel der thurgauischen Bevölkerung im Halbstundentakt mit dem Wirtschaftsraum Zürich verbunden sind. In Winterthur bieten die Bahnlinien aus dem Thurgau attraktive Anschlüsse an die S-Bahn Zürich. Mit der Verlängerung der S8 von Winterthur bis Weinfelden ab Dezember 2007 entfällt das Umsteigen in Winterthur.

Mit der Regionalbahn THURBO lässt sich das Freizeitparadies des Thurgau auf entspannte Weise entdecken. Eine der schönsten Bahnstrecken ist die Seelinie von Schaffhausen über Stein am Rhein-Kreuzlingen-Romanshorn bis Rorschach. Reizvolle historische Orte, herrliche Seeparkanlagen und unzählige Sehenswürdigkeiten und Museen liegen entlang der Strecke. Die Entdeckungsreise mit der Bahn kann jederzeit für eine Sightseeing-Tour unterbrochen werden. Mit den modernen Reisezügen macht das Unterwegssein Spass. Auf der Webseite www.thurbo.ch sind unter der Rubrik „Ausflüge“ zahlreiche Ausflugstipps aufgeführt. Ob Wanderung, Velotour oder Skaterausflug: Zu jeder Tour gibt es eine detaillierte Beschreibung.

Werner Müller/TW
Werner Müller ist Leiter Abteilung Öffentlicher
Verkehr/Tourismus des Kantons Thurgau

Leseprobe Rubrik: Klöster im Thurgau

Einkehr einmal anders

Der Thurgau ist reich an kleineren und grösseren Klöstern. Noch heute prägen die oft prachtvollen Bauten die Landschaft und bilden attraktive Anziehungspunkte für Tourismus und Freizeit.

Der Thurgau ist reich an kleineren und grösseren Klöstern. Im Mittelalter wurden von Benediktinern, Dominikanern, Zisterziensern oder den Augustinern über ein Dutzend Niederlassungen gegründet, darunter auch viele Frauenklöster. Noch heute prägen die oft prachtvollen Bauten die Landschaft und bilden attraktive Anziehungspunkte für Tourismus und Freizeit.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden allerdings die meisten Klöster verstaatlicht und geschlossen. Der junge Kanton Thurgau suchte für die vielen Gebäude neue Nutzungen und entwickelte dabei eine erstaunliche Fantasie. Kalchrain bei Herdern und die ehemalige Johanniterkomturei Tobel wurden zu Gefängnissen umgebaut. In Münsterlingen und dem Dominikanerinnenkloster von St.Katharinental bei Diessenhofen entstanden Spitäler und im Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen richtete sich das Thurgauische Lehrerseminar ein.

Heute stehen viele der ehemaligen Klöster der Öffentlichkeit in der einen oder anderen Form offen. So haben die barocken Kirchen von Paradies, Münsterlingen oder St.Katharinental als stimmungsvolle Konzertorte einen hervorragenden Ruf. Wer allerdings einen Einblick in das Leben der Mönche gewinnen will, dem empfiehlt sich ein Besuch des Benediktinerklosters Fischingen oder der Kartause Ittingen. In Fischingen leben seit 1977 wieder ein halbes Dutzend Benediktiner Mönche und betreiben ein Bildungshaus. Neben der kirchlich-religiösen Bildungsarbeit an den Wochenenden steht das Haus allen Kreisen aus Wirtschaft oder Bildung für die Durchführung von Gastkursen offen. Aber auch individuelle Besucher kommen in Fischingen auf ihre Rechnung. In den Klosterräumlichkeiten werden regelmässig Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern organisiert, so dass tagsüber auch ein Einblick in Teile der Konventsgebäude möglich ist.

Höhepunkt jedes Besuchs ist sicherlich die frisch restaurierte Klosterkirche. Das heutige Gebäude ist bestimmt durch einen umfassenden Umbau von 1685-1687 und die nachfolgende barocke Ausstattung. Besonders bemerkenswert ist die ab 1704 neu erbaute Iddakapelle, ein hochbarocker Bau, der weit herum seinesgleichen sucht. Die heilige Idda von Toggenburg lebte im 12. Jahrhundert und hatte sich nach dem frühen Tod ihres Gatten in eine Klause beim Kloster Fischingen zurückgezogen. Hier lebte sie als betende Frau und Ratgeberin des Volkes. Nach ihrem Tod setzte ihre Verehrung als heilige Frau ein. Es entstanden verschiedene Legenden um ihre Person und bald entwickelte sich eine Wallfahrt nach Fischingen. An ihrem Grabmal gibt es noch immer ein Törchen, durch das die Pilger ihre Füsse stecken können, um Linderung von Fussbeschwerden zu erhalten.

Im Vergleich zum lebendigen Pilgerbetrieb ging es in der Kartause Ittingen wesentlich verhaltener zu und her. Kartäusermönche verbinden das Ideal des Einsiedlerlebens mit einer mönchischen Lebensweise in der Gemeinschaft. Zurückgezogen ins Innere der Klosteranlage folgen sie einem rigiden Tagesplan und halten ein strenges Schweigegelübde ein. In Ittingen leben zwar seit 1848 keine Mönche mehr. Über 150 Jahre wurde die Anlage aber sorgsam gepflegt, so dass heute im Ittinger Museum ein lebendiger Einblick in die Vorstellungswelt des Kartäuserordens gewonnen werden kann. Mehrere Mönchsklausen sind noch so erhalten, wie wenn das Kloster eben noch in Betrieb gestanden hätte. Daneben können auch die reich ausgestattete Kirche und die sorgfältig restaurierte Infrastruktur des Klosters mit Refektorium, Kapitelsaal, den Sakristeien und einem Gästetrakt besucht werden. Sie zeigen eindrücklich auf, dass diese zurückgezogen lebende Mönchsgemeinschaft im 17. und 18. Jahrhundert auch auf der wirtschaftlichen Ebene höchst erfolgreich war. Das Kloster Ittingen ist heute aber weit mehr als nur ein historisches Museum. Am gleichen Ort ist auch das Kunstmuseum Thurgau domiziliert, das nicht nur die kantonale Kunstsammlung betreut, sondern durch Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern aus aller Welt Kunst und Geschichte zusammenführt. Ein Höhepunkt eines Besuchs der Kartause Ittingen ist denn auch der „Ittingen Walk“ der kanadischen Künstlerin Janet Cardiff, in dem die historischen Räume durch ein zeitgenössisches Kunstwerk auf einzigartige Weise erlebbar gemacht werden. Doch auch wer mehr spirituelle Erfahrungen sucht, wird in Ittingen fündig. So lädt neben einem reichen Kursprogramm des evangelischen Begegnungs- und Bildungszentrums tecum ein Raum der Stille zu Meditationen ein und im Garten lässt sich in einem Labyrinth eine meditative Suche nach der Mitte unmittelbar leben. In Gebäuden und Gärten des ehemaligen Klosters verbindet sich so historisches Wissen mit zeitgenössischen Bedürfnissen und Erfahrungen aufs Schönste.

Markus Landert

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